Datteltäter

Ein Zusammentreffen

#Inspiration

Mal ist es der schöpferische Einfall, mal die plötzliche Erkenntnis. Manche reden von der Erleuchtung, einige von der Eingebung, aber jeder der schon einmal kreativ tätig war weiß, dass die Inspiration oft unumgänglich ist um am Ende auch etwas Schönes auf die Beine stellen zu können. Manchmal als wegweisender Impuls. Manchmal der Treibstoff, der einen weiterführt.

Und wenn doch die Inspiration die Quelle all jener weltberühmten Kunstwerke ist, so stellt man sich die Frage, wo man sie findet? Ob es bestimmte Wege oder Methoden gibt sie zu finden? Ist sie überhaupt zu finden? Sollte man auf sie warten oder trifft man sie eher zufällig? Fragen, die  man pauschal wahrscheinlich nicht beantworten kann. Denn jeder Mensch ist anders veranlagt. Doch jeder Erfahrung öffnet eine andere Perspektive, und hier die meine.

 

#ToSeeOrNotToSee

Als ich und meine Tochter (damals 3 Jahre alt) mit dem Auto auf den Weg zu Opa waren, schrie sie plötzlich ganz erstaunt auf, zeigte mit ihren Finger nach oben und sagte laut „Baba, Baba schau, die Sonne!“. Ich erinnere mich noch, wie mich meine Gedanken in dem Moment gelähmt haben, bis mich das Hupen der anderen Fahrer wieder wach rüttelte. Ich antworte ihr zwar, dass ich die Sonne natürlich sehe, aber in Wahrheit habe ich sie nicht gesehen. Nicht so wie sie. Denn ich habe mein Staunen verloren. Das Staunen über etwas, was jeden Tag vor meiner Nase ist. Meine Tochter jedoch, wie wahrscheinlich alle Kinder, noch nicht. Ich sage ‚noch‘, weil der Mensch mit der Zeit alles wunderbare und bewundernswerte als selbstverständlich betrachtet und genau diese Perspektive verliert. Gehen wir nun Jahrzehnte zurück und betrachten eine Kalligraphie auf der Wand einer Schule in der Türkei, so werden wir folgendes Lesen: „Für Diejenigen, die lesen können, ist alles zwischen Himmel und Erde ein Buch“. Und genau dort beginnt die Suche nach Inspiration. Meine Suche.

 

#Spreadlove

Ich steige morgens in die U-Bahn ein und beobachte die Menschen. Fast alle haben ein Smartphone in der Hand. Ich ebenso. Wir alle haben den Willen und die Kraft die verpassten Beiträge von gestern zu ‚liken‘. Kraft jemanden anzulächeln, der sich gerade zu uns setzt, die haben wir nicht. Wir, die wir hier und da großzügig Herzen verteilen. Wir, die wir andere ständig auffordern zum liebevollen Umgang mit Mitmenschen und  auffordern aufzustehen gegen Ungerechtigkeit. Diese und ähnliche Situationen sind allgegenwärtig und ereignen sich tagtäglich vor unseren Augen. Wir müssen nur hinsehen.

Und wenn ich über diese Bilder nachdenke, werden es auch andere tun. Ich möchte es Ihnen lediglich zeigen und ein Impuls geben. Deshalb versuche ich meine Illustrationen so einfach wie möglich zu gestalten, um die Message im Vordergrund zu halten und erreichbar zu machen. Denn Nachdenken ist der erste Schritt zum Handeln.

 

#Music

Denkt Mann/Frau einmal nach, so werden Gefühle wach. Gefühle, die manchmal Freude und manchmal Trauer auslösen. Und auch hier kommt die Kunst ins Spiel. Im Endeffekt ist jede Kunstform eine Ausdrucksart von Gedanken und Gefühlen die man in sich trägt und weitergeben möchte. Dabei gibt es verschiedene Wege. Jetzt, wo sich dieser Text dem Ende neigt, wird man spätestens merken, dass das Schreiben nicht jedermanns Sache ist. Ich beispielsweise war nie gut darin. Doch die Musik, in ihrer wortlosen Art, gibt vielen, so wie mir, die Möglichkeit, das Unaussprechbare ‚auszusprechen‘. Manchmal ist es die Freude und manchmal die Trauer. Mal ist es die Liebe und mal die Wut. Alles in allem sind diese Gefühle da und warten darauf, in Form von Tönen und Klängen, ausgesprochen zu werden. Und genau dort beginnt die Suche nach Inspiration. Meine Suche.

 

Fatih Maraslioglu

Architekt, Musiker, Illustrator, Fotograf
Academy Fellow 2021

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